Landkreis Holzminden (red). Zum Internationalen Tag des Bibers am 7. April 2026 blickt die regionale Biber-Arbeitsgruppe des NABU mit Freude, aber auch mit wachsender Sorge auf die Rückkehr des größten heimischen Nagetiers. Ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer begleiten seit Jahren die Wiederansiedlung in der Region.
Besonders erfreulich sei, dass immer häufiger Biber, die bereits im Weserbergland geboren wurden, kleinere Bäche im Wesertal besiedeln. Die Rückkehr sei damit nicht mehr nur das Ergebnis einzelner Pioniere, sondern Ausdruck einer stabiler werdenden Population. Gleichzeitig seien die Lebensraumbedingungen vielerorts weiterhin problematisch.
Eingeschränkte Lebensräume und Nahrungsmangel
Viele kleinere Fließgewässer sind durch jahrzehntelangen Ausbau stark eingeengt und tief eingeschnitten. Natürliche Uferstrukturen sowie eine vielfältige Vegetation fehlen häufig. Zudem würden bei Unterhaltungsmaßnahmen gezielt Weiden entfernt oder regelmäßig „auf den Stock gesetzt“.
Gerade ältere Weiden seien jedoch eine wichtige Nahrungsquelle im Winter. Junge Austriebe enthielten mehr Gerbstoffe und würden von Bibern schlechter genutzt, wodurch es in den Wintermonaten zu Engpässen kommen könne. Fehlen zudem geeignete Gehölzsäume, weichen die Tiere häufig auf landwirtschaftliche Flächen aus, was Konflikte begünstigt.
Forderung nach Renaturierung
Die Ehrenamtlichen sehen daher dringenden Handlungsbedarf bei der Renaturierung der Gewässer im Weserbergland. Als mögliches Instrument nennen sie unter anderem Flurneuordnungsverfahren sowie den Erwerb von Uferflächen. Ziel sei es, Gewässern wieder mehr Raum zu geben, Uferstreifen zu verbreitern und standorttypische Weichholzauen zu entwickeln.
Davon könnten nicht nur Biber profitieren, sondern auch viele weitere gefährdete Arten. Naturnahe Gewässer verbesserten die Wasserqualität, reduzierten Hochwasserspitzen und stärkten die Wasserspeicherung in der Landschaft.
Kritik am Umgang mit Gewässern
Kritisch sieht die Arbeitsgruppe ein weiterhin verbreitetes Vorgehen im Wassermanagement, das sie als „hydrologisches St.-Florians-Prinzip“ beschreibt: „Beschleunige den Abfluss hier, flut’ das Dorf erst unter mir.“ Dadurch würden Risiken lediglich flussabwärts verlagert und Hochwasserprobleme verschärft.
Der Biber wirke diesem Prinzip entgegen, indem er Wasser in der Landschaft zurückhalte und so zur Dämpfung von Abflussspitzen beitrage.
„Der Biber zeigt uns sehr deutlich, in welchem Zustand sich unsere Gewässer befinden“, erklärt Nick Büscher, Vorsitzender des NABU Rinteln und aktiver Biberschützer. „Wenn Ufergehölze fehlen, Gewässer zu Gräben degradiert wurden und natürliche Überflutungsflächen verschwunden sind, entstehen Nutzungskonflikte fast zwangsläufig. Die Lösung liegt nicht im Management des Bibers, sondern in der Verbesserung unserer Gewässerlandschaften.“
Mehr Raum für Gewässer gefordert
Die Rückkehr des Bibers ins Weserbergland wird als Erfolg des Naturschutzes gewertet. Damit dieser dauerhaft bestehen könne, brauche es jedoch ein Umdenken im Umgang mit Gewässern. Mehr Raum für Flüsse und Bäche bedeute zugleich mehr Sicherheit, mehr Biodiversität und bessere Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Foto: Oliver Richter / NABU