Lauenförde (red). Vertreibung, Neubeginn und die Sehnsucht nach Heimat standen im Mittelpunkt eines Vortrags, zu dem der „Heimat- und Geschichtsverein Lauenförde e.V.“ Ende Februar in das Evangelische Gemeindehaus eingeladen hatte. Referent war Silvio Uhlfelder aus Frankfurt, Nachkomme der Beverunger Familie Grünewald sowie der in Berlin beheimateten Familie Uhlfelder. Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Anne Gauding begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und zeigte sich erfreut über die große Resonanz.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die bewegte Geschichte beider Familien. Die Familie Grünewald betrieb ein Einzelhandelsgeschäft an der „Langen Straße“ in Beverungen, bevor sie 1936 unter dem Druck des NS-Regimes nach Argentinien auswanderte. Um die Ausreise zu ermöglichen, musste sie ihr Eigentum zu den vom Regime diktierten Bedingungen veräußern. Uhlfelders Großvater Sally Grünewald war in seiner Heimatstadt engagiert, unter anderem im Kriegerverein sowie als Mitbegründer der Feuerwehr.
Auch die Familie seines Vaters Gerd Uhlfelder war von Verfolgung betroffen und emigrierte zunächst nach Belgien, später ebenfalls nach Argentinien. Zahlreiche Angehörige beider Familien wurden im Holocaust ermordet.
Persönliche Einblicke und historische Einordnung
In seinen Ausführungen schilderte Silvio Uhlfelder eindringlich den Mut und die Entschlossenheit seiner Vorfahren, die unter schwierigsten Bedingungen Entscheidungen trafen, um ihr Überleben und ihre Identität zu sichern. Besonders bewegend wirkten die von ihm vorgetragenen Passagen aus den Tagebüchern seiner Eltern.
Darüber hinaus ging Uhlfelder auf die sogenannte „Rattenlinie“ ein, über die NS-Verbrecher wie Josef Mengele nach Südamerika fliehen konnten. Dieser Aspekt der Nachkriegsgeschichte stieß auf großes Interesse im Publikum. Während des Vortrags wurden immer wieder Fragen aus dem Kreis der Zuhörerinnen und Zuhörer aufgegriffen und beantwortet.
Der „Heimat- und Geschichtsverein Lauenförde e.V.“ stellte mit der Veranstaltung nicht nur die Lebenswege der Familien Grünewald und Uhlfelder in den Fokus, sondern setzte zugleich ein Zeichen für die Bedeutung von Erinnerung und historischer Aufarbeitung.
Foto: Heimat- und Geschichtsverein Lauenförde e.V.