Holzminden (red). Etwa zwölf Kilometer westlich von Saint-Lô liegt die kleine Gemeinde La Chapelle-en-Juger in der Normandie. Auf dem dortigen Friedhof Marigny sind 11.169 deutsche Soldaten bestattet, die 1944 durch Bombenangriffe der Alliierten ums Leben kamen. Um die Kriegsgräbergedenkstätte zu erhalten, haben im Juni vergangenen Jahres zehn Soldaten des Panzerpionierbataillons 1 aus Holzminden im Auftrag der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ehrenamtlich Pflegearbeiten übernommen.
Möglich gemacht wurde der Einsatz unter anderem durch die Haus- und Straßensammlung, bei der Ehrenamtliche Spenden gesammelt hatten. Im Kreishaus würdigte Landrat Michael Schünemann als Vorsitzender des Kreisverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit dem Kommandeur des Panzerpionierbataillons 1, Oberstleutnant Sebastian Busenthür, Oberstleutnant a.D. Rainer Grygiel als Bundeswehrbeauftragtem des Volksbundes sowie Henrik Berthold, Geschäftsführer des Volksbund-Bezirksverbandes Hannover, dieses Engagement.
Zeichen der Verständigung und Verantwortung
„Es ist gerade in Zeiten wie diesen wichtig, dass wir etwas für das Miteinander, nicht etwas gegeneinander tun“, betonte der Landrat. Zu diesem Miteinander hätten auch die Soldaten mit ihrem Pflegeeinsatz beigetragen. Sie hielten Orte der Erinnerung instand, damit sich auch kommende Generationen erinnern könnten. Ihre Arbeit zeige, dass Verständigung zwischen Völkern Engagement erfordere, aber möglich sei.
Auch Oberstleutnant Busenthür hob den internationalen Charakter hervor: „Gerade der internationale Aspekt macht Ihre Arbeit so wertvoll: Sie ist ein klares Zeichen der Versöhnung, der Verantwortung und des Friedens.“ Mit dem Einsatz hätten die Soldaten über Ländergrenzen hinweg zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft beigetragen.
Konkrete Arbeiten vor Ort
Stabsfeldwebel Stefan Lonn stellte in einem Vortrag die geleisteten Arbeiten vor. Neben landschaftsgärtnerischen Maßnahmen zur Einebnung des Geländes wurden rund 100 Meter eines Gehwegs neu gepflastert und barrierefrei gestaltet. Zudem wurden Türen gestrichen und ein Kameradengrab wieder aufgebaut.
Darüber hinaus übergab Lonn auch in diesem Jahr einen Restbetrag des Verpflegungsgeldes in Form eines selbstgestalteten Schecks an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Das Geld hatten er und seine Kameraden während des Einsatzes eingespart. Der Volksbund finanziert sich überwiegend über Mitgliederbeiträge und Spenden.
Im Rahmen der Feierstunde wurden außerdem Reservistinnen und Reservisten geehrt, die sich an der Haus- und Straßensammlung 2025 beteiligt hatten. Insgesamt kamen dabei im Landkreis über 6.000 Euro zusammen.
„Unsere ehrenamtlichen Spendensammlerinnen und -sammler sind sozusagen Botschafter mit Sammeldose und tragen das Erinnern und Gedenken in die Gesellschaft hinein“, unterstrich Henrik Berthold und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement.
Foto: Landkreis Holzminden