Höxter (red). Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust laden die Jacob Pins Gesellschaft und das Bündnis „Holzminden ist bunt – das Bündnis für Demokratie im Landkreis Holzminden“ am Dienstag, 27. Januar 2026, zu einer Gedenklesung für Margot Friedländer in das Forum Jacob Pins in Höxter ein. Die Veranstaltung erinnert an eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Erinnerungskultur und an eine Frau, deren Lebensweg und Haltung bis heute Maßstäbe für Menschlichkeit, Verantwortung und Empathie setzen.
Eröffnet wird die Gedenkveranstaltung mit einem Grußwort von Bürgermeister Daniel Hartmann. In seiner Ansprache würdigt er Margot Friedländer als außergewöhnliche Persönlichkeit der Zeitgeschichte und betont die besondere Verantwortung von Kommunen und Zivilgesellschaft, Erinnerung lebendig zu halten. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sei ihr Appell, Mensch zu bleiben, Mahnung und Auftrag zugleich.
Eine Lebensgeschichte als Auftrag an die Gegenwart
Margot Friedländer, geboren 1921 in Berlin, überlebte die nationalsozialistische Verfolgung nach Jahren im Untergrund und der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte sie viele Jahrzehnte in den USA. Im hohen Alter kehrte sie bewusst nach Deutschland zurück, um insbesondere jungen Menschen von ihrem Leben zu erzählen. Mit Würde, Wärme und Klarheit sprach sie über das erlittene Unrecht und verband ihre Erinnerungen stets mit einem eindringlichen Appell an die Gegenwart. Ihre Botschaft „Versucht, ein Mensch zu sein“ wurde zu einem Leitsatz ihres Wirkens und ist bis heute von ungebrochener Aktualität. Margot Friedländer verstarb im Jahr 2025.
Lesung folgt den Stationen ihres Lebens
Die Gedenklesung im Jacob-Pins-Forum ist in drei inhaltliche Teile gegliedert, die den Lebensweg Margot Friedländers nachvollziehbar machen. Antje Knust liest Texte und Erinnerungen aus der Zeit vor der Verhaftung durch die Gestapo. Diese Passagen geben Einblick in das Leben einer jungen jüdischen Frau im nationalsozialistischen Berlin, geprägt von Angst, Verfolgung und dem täglichen Versuch zu überleben.
Petra Vaal trägt Texte aus der Zeit der Inhaftierung im Konzentrationslager Theresienstadt vor. Sie machen das Leid, aber auch die innere Stärke und den ungebrochenen Lebenswillen Margot Friedländers spürbar. Im dritten Teil stellt Christiane Harbort-Ring Texte aus der Zeit nach der Rückkehr nach Berlin vor – Zeugnisse eines bewussten Neubeginns, des Dialogs und des unermüdlichen Engagements für Erinnerung, Aufklärung und Versöhnung.
Musik schafft Raum für Innehalten
Musikalisch begleitet wird die Lesung von Dr. Jean Goldenbaum. Mit Gitarrenstücken und Gesang schafft er zwischen den Textpassagen Räume des Innehaltens und der Reflexion. Seine musikalischen Beiträge greifen Motive von Erinnerung, Verlust und Hoffnung auf und vertiefen die emotionale Wirkung der vorgetragenen Texte, ohne sie zu überlagern.
Inhaltlich knüpft die Gedenklesung an die viel beachtete Gedenkveranstaltung im Juni 2025 in Holzminden an, bei der zahlreiche Besucherinnen und Besucher der kurz zuvor verstorbenen Zeitzeugin gedachten. Damals wurde deutlich, wie nachhaltig Margot Friedländers Worte bis heute wirken. Sie berichtete nicht nur vom Grauen der Vergangenheit, sondern betonte immer wieder, dass es keine kollektive Schuld gebe, wohl aber eine gemeinsame Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
Mit der Gedenklesung am 27. Januar wollen die Veranstalterinnen und Veranstalter nicht nur erinnern, sondern zugleich ein klares Zeichen setzen – gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung und für eine offene, menschenwürdige Gesellschaft.
Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Forum Jacob Pins in Höxter, „Westerbachstraße 35“. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Foto: Stadt Holzminden