Stadtoldendorf (rus). Schule wird digital(er): Sven Heine und Veronika Seidel geraten nahezu ins Schwärmen, wenn sie über „ihr“ Fach Informatik berichten. Zwar ist das Schulfach erst ab dem Schuljahr 2023/2024 verpflichtend, also eigentlich erst nach den nächsten Sommerferien. In Stadtoldendorf hatte man sich allerdings schon frühzeitig Gedanken gemacht, wie man sich in diesem Bereich zukünftig aufstellen will - und dieses mit der Bewerbung als Pilotschule im vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt.

Seit dem Schuljahr 2022/2023 und damit schon ein Jahr früher als anderswo steht Informatik in der Homburgstadt deshalb bereits auf dem Lehrplan. Die Erkenntnisse daraus, die die Lehrkräfte gewinnen konnten, sind durchweg positiv. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gesammelt, die auch anderen Schulen dabei helfen, das Schulfach Informatik zu etablieren“, sind sich die beiden IT-Lehrkräfte der Schule sicher. Schon ab Klasse 5 stehen im Fach Medienerziehung die Basics im Bereich IT auf dem Stundenplan. Die Kinder lernen dort etwa wie ein Computer aufgebaut ist und wie Software funktioniert. Während Programme wie Word, Excel oder Powerpoint geschult werden, gibt es auch noch eine AG MedienScout, die sich mehr mit Passwörtern, Datensicherheit & Co. befasst sowie einen Wahlpflichtkurs Digitaltechnik, in der es dann noch mehr ans Eingemachte geht. „In diesem Wahlpflichtkurs, für den sich die Schülerinnen und Schüler freiwillig entscheiden können, steht mehr die Hardware im Fokus“, so Heine.



So bekommt das Thema ohnehin bereits einen großen Stellenwert - mit dem neuen Pflichtfach Informatik wird es nun nochmal tiefgründiger. Denn hier lernen die Schüler, wie man Programmiersprachen anwendet und damit ganze Programme oder Spiele schreibt. „Als Projekt sollten die Schüler ein Spiel programmieren, das man mit der Tastatur navigieren kann“, erklärt Seidel. Nach kurzer Theorie durften die Teilnehmer schon zügig an die Praxis und mit dem Programm arbeiten. „Scratch“ lautet die Plattform, die lediglich über einen Internetbrowser aufgerufen werden muss, also somit keine spezielle Software oder hohe Hardware-anforderungen notwendig macht. Damit kann nach den Vorgaben der Lehrkräfte dann frei programmiert werden. Den aktuellen Aufgabenstand können die Lehrkräfte direkt im Programm kontrollieren und auch Anmerkungen geben. Da Scratch zudem multilingual aufgebaut ist, also eine Basis von mehreren Dutzend Sprachen anbietet, haben auch jene Schüler kein Problem, die (noch) nicht so gut deutsch sprechen. „Dies kam besonderes unseren ukrainischen Schülern zugute, die sofort damit arbeiten konnten“, sagt Seidel.

Insgesamt vier Klassen werden aktuell in Informatik geschult, jeweils zwei im 9. und 10. Jahrgang, eine Unterrichtsstunde pro Woche. Bei den Schülerinnen und Schüler kommt das Fach fast durchweg gut an, bei einigen hat es sogar zu so großem Interesse geführt, dass selbst in der Freizeit an den Projekten weitergearbeitet wird. „Manche programmieren bereits ganze Spiele und zeigen sie uns dann stolz“, verrät Sven Heine, der sich über die Eigeninitiative und das große Feedback freut. Ein ganzer Klassenraum wurde zum IT-Raum umfunktioniert. Dort untergebracht sind iPads für einen ganzen Klassenverband, die in einem modernen Ladeschrank untergebracht sind. „Hier haben uns die VR-Bank in Südniedersachsen und auch der Förderverein der Homburg Oberschule bei der Anschaffung sehr unterstützt“, berichtet Seidel. Mit den gesammelten Möglichkeiten bekommen die Schülerinnen und Schüler eine gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. Spätestens hier werden Grundkenntnisse gefordert, denen die Berufsanfänger dann schon weitestgehend gewachsen sind.

Fotos: rus, Heine