Hameln (red). An der „Springer Landstraße“ ist eine nicht detonierte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Sprengmeister Thorsten Lüdeke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen bestätigte den Verdacht am Mittwochmorgen um 8.34 Uhr. Die Entschärfung ist für den 26. April vorgesehen.
Größere Bombe als zunächst angenommen
Ursprünglich war von einer 10-Zentner-Bombe ausgegangen worden. Nach aktuellen Erkenntnissen handelt es sich jedoch vermutlich um einen deutlich größeren „20-Zentner-Zerscheller“. „Die Bombe ist um einiges größer als erwartet“, erklärte Lüdeke. Vollständig freigelegt wurde der Sprengkörper bislang noch nicht.
Hinweise auf die Größe ergaben sich unter anderem durch gefundene Bombenteile wie das Leitwerk. „Die Leitwerkgröße passt zu einer amerikanischen 20-Zentner-Bombe“, so Lüdeke. Insgesamt könnten sich noch rund 450 Kilogramm Sprengstoff in der Bombe befinden.
Aufwendige Vorbereitung der Fundstelle
Der Blindgänger war im Vorfeld von Bauarbeiten für eine Photovoltaikanlage entdeckt worden. Historische Luftbilder hatten auf eine mögliche Bombe hingewiesen. Seit dem 12. März wurde die Fundstelle aufwendig gesichert und eine Baugrube bis in etwa neun Meter Tiefe ausgehoben.
Die eigentliche Identifikation erfolgte anschließend durch vorsichtige Freilegung sowie Untersuchungen mit einer Stechsonde. Teile des Sprengstoffs seien bereits ausgetreten, vermutlich beim Aufprall.
Evakuierung von 6000 Menschen geplant
Für die Entschärfung müssen rund 6000 Menschen im Umkreis von 1500 Metern ihre Wohnungen verlassen. Betroffen sind unter anderem die Stadtteile Afferde, Rohrsen, am Basberg und im Hottenbergsfeld. Damit steht Hameln vor der größten Evakuierung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Die Evakuierung ist für den 26. April vorgesehen. Alle Betroffenen müssen ihre Wohnungen bis spätestens 7 Uhr verlassen haben. Wann eine Rückkehr möglich ist, hängt vom Verlauf der Entschärfung ab und kann sich bis in die Abendstunden ziehen.
Großeinsatz von Einsatzkräften und Infrastruktur
Am Tag der Entschärfung werden zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und DRK im Einsatz sein. Als Notunterkünfte stehen die Rattenfängerhalle sowie die Rüdiger-Butte-Schule zur Verfügung.
Für die Dauer der Evakuierung werden die Bundesstraßen B 1 und B 217 voll gesperrt. Auch der Bahnverkehr auf den Strecken Hannover–Paderborn und Hildesheim–Löhne wird unterbrochen. Zudem bleibt der Luftraum über dem Gebiet gesperrt.
Schutzmaßnahmen und Informationen für Bürger
Für den Fall einer kontrollierten Sprengung werden Schutzmaßnahmen vorbereitet. Rund um die Fundstelle entsteht ein mehrstöckiger Schutzwall aus Containern, die mit Wasser gefüllt werden sollen, um Druckwellen und Splitter abzufangen.
Die Stadt Hameln informiert die betroffenen Haushalte in den kommenden Tagen über konkrete Maßnahmen. Aktuelle Informationen sind unter www.hameln.de sowie über die städtischen Kanäle in sozialen Netzwerken abrufbar.
Zusätzlich wurde ein Bürgertelefon eingerichtet, das ab Donnerstag, 16. April, montags bis donnerstags von 9 Uhr bis 15 Uhr sowie freitags von 9 Uhr bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 0800/4263565 erreichbar ist.

Foto: Stadt Hameln