Hildesheim/Hellental (awin). Vier Jahre Freiheitsstrafe – so lautet das Urteil im Prozess um die Brandserie in Hellental. Das Landgericht Hildesheim sprach den 28-jährigen Angeklagten am 12. Februar 2026 schuldig. Die Untersuchungshaft, in der sich der Mann seit dem 10. August 2025 befindet, bleibt bestehen. Zudem hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Bereits am ersten Verhandlungstag am 22. Januar hatte der Angeklagte die vier ihm zur Last gelegten Taten eingeräumt. Ursprünglich waren vier Prozesstage angesetzt. Nach einem Verständigungsvorschlag legte der Mann ein Geständnis ab, sodass die Beweisaufnahme am zweiten Prozesstag zügig abgeschlossen werden konnte. Staatsanwaltschaft und Gericht sahen alle vier angeklagten Brandstiftungen als erwiesen an.
Die Brandserie in und um Hellental umfasste mehr als zehn Feuer. Weitere Taten konnten dem Verurteilten nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht nachgewiesen werden. Entsprechende Verfahren wurden eingestellt.
Motiv bleibt ungeklärt
Unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Motiv. Der Angeklagte machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und äußerte sich nicht zu möglichen Beweggründen. Bereits zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter versucht, eine Erklärung zu erhalten – ohne Erfolg.
Im Verlauf der Verhandlung wurde deutlich, dass der Mann die Taten jeweils unter Alkoholeinfluss begangen hatte. Strafmildernd wirkte sich dies nicht aus. Alkohol habe bei den Brandstiftungen eine Rolle gespielt; ohne den Alkoholkonsum wäre es nicht dazu gekommen, erklärte der Richter bei der Urteilsverkündung.
Feuerwehrengagement kein Beweggrund
Ein mögliches Motiv, durch selbst gelegte Brände als Feuerwehrmann Aufmerksamkeit zu erlangen, schloss das Gericht aus. Der Angeklagte war aktives Mitglied der Feuerwehr und beteiligte sich an den Löscharbeiten bei den ersten beiden Bränden. Bei den letzten beiden Taten war er bereits suspendiert. Zuvor hatte die Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf gefordert, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, nachdem er zwischenzeitlich als Verdächtiger festgenommen und später wieder entlassen worden war.
Auch die Zeugenaussage von Ortsbrandmeister Marcel Gobrecht brachte keine Hinweise auf ein Motiv. Er beschrieb den Angeklagten als „angenehmen Zeitgenossen“, „hilfsbereit“, „nett und umgänglich“ sowie als „nicht streitsüchtig“. „Ich hätte diese Taten keinem von meinen Kameraden zugetraut“, sagte Gobrecht vor Gericht.
Im privaten Umfeld fanden Ermittler ebenfalls keine Erklärung. Der Mann war im Ort integriert, spielte Tischtennis und Darts, war im Hobbyfußball aktiv und engagierte sich in der Feuerwehr. Trotz einer angegebenen Lernschwäche erlangte er den Hauptschulabschluss, absolvierte eine Ausbildung zum Maler und war bis zu seiner Festnahme bei Symrise als Produktionshelfer angestellt. Eine 2024 gescheiterte Beziehung sowie eine nicht erwiderte Liebe hätten ihn belastet, galten nach Einschätzung der Ermittler jedoch nicht als Auslöser der Taten.
Für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer aus Hellental bleibt damit eine zentrale Frage offen: Warum die Feuer gelegt wurden, ist weiterhin nicht geklärt.